3. September 2018Keine Kommentare

Scham

Das Schamgefühl ist eine sehr einzigartige menschliche Emotion. Es verhält sich gefühlsmäßig sehr ähnlich dem Schuldgefühl, entsteht aber aus dem Inneren heraus, wodurch es sich grundsätzlich vom reaktiven Charakter der Schuld unterscheidet.

Bildergebnis für adam und eva gemälde

Philosophisch lässt sich das wahrscheinlich am Besten mit der Geschichte von Adam & Eva erklären. Nachdem Adam und Eva vom Apfel des Baums der Erkenntnis gegessen haben, wurden sie sich ihrer selbst und ihrer Andersartigkeit bewusst. In Folge dessen fingen sie an Scham zu empfinden und bedeckten sich. Vorher waren sie ein Teil der Umwelt und hatten keine richtigen Grenzen für ihre Individuen. Diese Grenzen wurden dann abgesteckt und es entstand ein privater Raum für jedes Individuum. Wenn man nun von Schamgefühl die Brücke zum Thema Design schlagen will, kommt natürlich direkt in Produktwelten, die den privaten Raum einer Person beeinflussen, mit besonderem Hinblick auf Mode.

Mit jedem Kleidungsstück beeinflussen Personen ihren eigenen privaten Raum. Beispielsweise drücke ich unterbewusst mit einem dicken Wintermantel mit Kaputze aus, dass ich nicht gestört werden will. Für Fremde wird die Hürde größer mit mir zu interagieren, was auch einen direkten Bezug zu Scham hat. Das gleiche gilt auch bei Dingen wie Kopfhörern, da Over-Ear-Kopfhörer im Vergleich zu In-Ear-Kopfhörern direkt das abschottende Signal nach außen verkörpern. Wie beim oberen Beispiel, gilt wahrscheinlich je mehr bedeckt wird, desto kleiner wird der "Interaktionsraum", den die Person einnimmt. 

Bildergebnis für off white rimowa

Natürlich gibt es auch Produkte die das genaue Gegenteil bewirken sollen. Beispielsweise sorgen transparente und freizügige Kleidungsstücke oder auch Kleidungsstücke, die irgendeine bestimmte Vorliebe für etwas darstellen, für einen vergrößerten Radius, um mit Personen zu interagieren. Diese Kleidungsstücke setzen aber natürlich auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein voraus. Je nach Inhalt oder Situation kann es natürlich auch als Prahlerei interpretiert werden.  

Bildergebnis für snapchat hundefilter

Snapchat-Filter und andere SocialMedia-Tools bilden einen neuen Aspekt zu der im ersten Abschnitt aufgestellten Bedeckungs-Theorie. Der klassische Hundefilter stellt im eigentlichen Sinne eine Maske dar und vereinfacht dadurch das Posten von Bildern, da man in gewissem Maße eine Rolle einnimmt. Dieses Rollenkonstrukt lässt sich wahrscheinlich auf den gesamten SocialMedia-Bereich übertragen, da jeder Mensch nicht seine eigentliche Persönlichkeit darstellt, sondern seine Rolle für die jeweiligen Kanäle anpasst, wodurch er weniger verletzlich und schambehaftet wird.

6. August 2018Keine Kommentare

the airport 2/2

Wie versprochen soll es in diesem Abschnitt meiner Reise um die Nutzererfahrung bei den Sicherheitskontrollen gehen.

Nach den Vorfällen von 9/11 haben wir aus lauter Angst angefangen uns selbst in unserer Freiheit und Privatsphäre zu beschneiden. Alleine die Tatsache, dass ich alles aus meinen Taschen und aus meinem Handgepäck ausräumen muss, füllt sich für mich entblössend an. Ich meine es ist ja auch nicht umsonst so, dass die meisten Taschen und Kleidungsstücke eben nicht transparent sind. Durch die Handlung des Auspackens oder die Verwendung von transparenten Materialien bringe ich das Innere nach außen und teile damit Dinge mit Menschen, die ich nicht kenne (und wahrscheinlich auch nie wieder sehen werde), was ein Gefühl von Nacktheit und damit einhergehend ein Gefühl von Scham auslöst.

Nachdem man sich bereits für den Inhalt seiner Tasche verantwortlich zeigen musste, kommt es zum Körperscan und zu der nachfolgenden intimen Untersuchung, denn der Scanner reagiert glücklicherweise nicht nur bei Metallen, sondern wird auch von Schweiß ausgelöst, wie mir erklärt wurde. Wie man sich vorstellen kann, war ich nachdem ich 38kg durch London transportiert hab, 18kg davon weiter mit Plastiktüten unter den Armen getragen hab und durch die hohen Temperaturen der letzten Wochen stark verschwitzt. Aufgrund dessen durfte ich besagte Untersuchung in Anwesenheit aller Flughafenbesucher über mich ergehen lassen.

Ich weiß, dass es lange mit dem zweiten Teil der Geschichte gedauert hat, aber aller Anfang ist schwer und ich werde in Zukunft natürlich trotzdem versuchen mehr und zeitiger Blog-Beiträge zu verfassen. ^^ Als nächstes werde ich mich glaube ich mit dem Begriff der Scham auseinander setzen. In Zukunft werde ich mich auch versuchen mehr mit solchen Begrifflichkeiten auseinander setzen. Trotzdem werde ich natürlich weiterhin von Geschichten und Aufälligkeiten wie dieser berichten 😉

1. Juli 2018Keine Kommentare

the airport 1/2

In diesem Blogeintrag versuche ich ein paar Punkte aus meinen Erfahrungen von meiner Heimreise näher zu beleuchten. Ich durfte wiedermal Zeuge davon werden, wie Billigfluglinien Design als Mittel nutzen, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Gleichzeitig wurde mir abermals klar, wie sehr wir doch unsere Nutzererfahrung beim Fliegen seit 9/11 beschneiden; aber dazu mehr im zweiten Teil.

Nach einer langen anstrengenden Reise komme ich gestresst, verschwitzt und gereizt am Flughafen Stansted an. Da ich nach meinem sechsmonatigen Aufenthalt in London Priority Plus bei Ryanair gebucht habe, begann ich meine Tasche zu wiegen. Und genau bei diesem Vorgang bewies Ryanair abermals ihr Verständnis von UI-Design und wie sie ihre Kunden behandeln. Um das alles vielleicht ein bisschen besser zu verstehen, hier erstmal eine kleine Anmerkung zum Konzept und der Vorgeschichte von Ryanair. Die Ryanair Teo bietet Flüge zu Preisen an, welche so gut wie keine Gewinnmagen aufweisen. Den richtigen Gewinn macht die Firma mit allen Artikeln, die zusätzlich zu deinem Flug erworben werden können, d.h. beispielsweise Versicherungen, Autovermittlung, extra Gepäck etc. Es gab früher eine Zeit wo man, wenn man bei Ryanair einen Flug gebucht hat, man automatisch eine Reiseversicherung abschloss. Du musstest aktiv die Aussage treffen, dass man diese Versicherung nicht erwerben wollte. Diese konnte man allerdings nicht, wie vielleicht erwartet am unteren Ende der Website ändern, sondern es versteckte sich am unteren Ende eines Dropdown-Menüs, wo man ansonsten nur zwischen seinem Herkunftsland auswählen konnte. Design, dass den Nutzer zu einer bestimmten Handlung führen soll oder ihn von einer bestimmten Handlung abhalten soll, wird im Begriff Persuasive Design zusammengefasst. Und dies ist ein Parade-Beispiel dafür. Nun zu meinem Beispiel: Beim Wiegen meiner Tasche ist mir aufgefallen, dass es keinen Abbruch-Button für die Aktion gibt... Das mag für die die meisten nur eine Kleinigkeit darstellen, aber dies hat große Auswirkungen auf den Gewinn, den Ryanair erzielt. Dadurch dass ich zu viel Gepäck dabei hatte, hätte ich 88£ extra bezahlen müssen (was mehr als der eigentliche Flug gewesen wäre). Den Abbruch der Aktion kann ich nur durch ein aktives Heben der Tasche erzielen, was bei einer 30kg schweren Tasche auch eine gewisse Hürde darstellt.

Im Endeffekt bin ich mir noch nicht mal sicher was ich von der gesamten Situation halten soll. Auf der einen Seite zeigt dies wie hoch das Verständnis vom Ryanair-UX-Team für Persuasive Design ist und wie sie Design als Mittel der Gewinnmaximierung nutzen. Auf der anderen Seite ist es natürlich durchaus fragwürdig seine Kunden auf so eine dreiste Art und Weise zur Kasse zu bitten, was Ryanair auch nicht umsonst bereits verlorene Gerichtsprozesse mit dem Verbraucherschutz einbrachte und vielleicht wird ja auch dieser Blogeintrag mal dort landen ;^)

Kleine Randnotiz, die nicht Persuasive Design betrifft, sondern das Erscheinungsbild von Ryanair: Ich persönlich würde euch eine schlichtere CI empfehlen und damit meine ich, dass dieses schlichtere Erscheinungsbild sich auch bitte in einer dezenteren Lackierung auf den Flugzeugen widerspiegeln soll. Denn weniger Lack = weniger Gewicht = geringer Spritverbrauch = geringe Kosten = geringere Flugpreise / höhere Gewinnmargen. Also hätten sogar beide Seiten was davon.

27. Juni 2018Keine Kommentare

Pläne für die Zukunft

 

Hey, mein Name ist Luca Gruber und ich bin Industriedesign-Student. Ich beschäftige mich eigentlich in allen unterschiedlichsten Richtungen mit dem Thema Design und möchte durch diesen Blog meinem Drang meine Meinung über die Arbeit von Designern und Firmen kundzutun nachkommen. Ich möchte Kritiken abgeben und Gestaltern helfen sich zu verbessern, um gleichzeitig auch eine Community aufzubauen, die auch mir dabei weiterhilft mich als Gestalter weiterzuentwickeln. Deswegen würde ich mich natürlich sehr über Kommentare mit konstruktiver Kritik und Themenvorschlägen freuen und hoffe, dass durch dieses Projekt ein paar wertvolle Beiträge entstehen werden.

Impressum 

Luca Gruber
Ostpreußenstraße 52b 
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Ich liebe Industriedesign. Ich liebe Typografie.
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Ich liebe Spiele. Ich liebe Filme. Ich liebe Musik.

Ästhetik hat keine Disziplin und ich will sie in ihrer Gesamtheit sinnlich erfahren.

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