Das Schamgefühl ist eine sehr einzigartige menschliche Emotion. Es verhält sich gefühlsmäßig sehr ähnlich dem Schuldgefühl, entsteht aber aus dem Inneren heraus, wodurch es sich grundsätzlich vom reaktiven Charakter der Schuld unterscheidet.

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Philosophisch lässt sich das wahrscheinlich am Besten mit der Geschichte von Adam & Eva erklären. Nachdem Adam und Eva vom Apfel des Baums der Erkenntnis gegessen haben, wurden sie sich ihrer selbst und ihrer Andersartigkeit bewusst. In Folge dessen fingen sie an Scham zu empfinden und bedeckten sich. Vorher waren sie ein Teil der Umwelt und hatten keine richtigen Grenzen für ihre Individuen. Diese Grenzen wurden dann abgesteckt und es entstand ein privater Raum für jedes Individuum. Wenn man nun von Schamgefühl die Brücke zum Thema Design schlagen will, kommt natürlich direkt in Produktwelten, die den privaten Raum einer Person beeinflussen, mit besonderem Hinblick auf Mode.

Mit jedem Kleidungsstück beeinflussen Personen ihren eigenen privaten Raum. Beispielsweise drücke ich unterbewusst mit einem dicken Wintermantel mit Kaputze aus, dass ich nicht gestört werden will. Für Fremde wird die Hürde größer mit mir zu interagieren, was auch einen direkten Bezug zu Scham hat. Das gleiche gilt auch bei Dingen wie Kopfhörern, da Over-Ear-Kopfhörer im Vergleich zu In-Ear-Kopfhörern direkt das abschottende Signal nach außen verkörpern. Wie beim oberen Beispiel, gilt wahrscheinlich je mehr bedeckt wird, desto kleiner wird der "Interaktionsraum", den die Person einnimmt. 

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Natürlich gibt es auch Produkte die das genaue Gegenteil bewirken sollen. Beispielsweise sorgen transparente und freizügige Kleidungsstücke oder auch Kleidungsstücke, die irgendeine bestimmte Vorliebe für etwas darstellen, für einen vergrößerten Radius, um mit Personen zu interagieren. Diese Kleidungsstücke setzen aber natürlich auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein voraus. Je nach Inhalt oder Situation kann es natürlich auch als Prahlerei interpretiert werden.  

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Snapchat-Filter und andere SocialMedia-Tools bilden einen neuen Aspekt zu der im ersten Abschnitt aufgestellten Bedeckungs-Theorie. Der klassische Hundefilter stellt im eigentlichen Sinne eine Maske dar und vereinfacht dadurch das Posten von Bildern, da man in gewissem Maße eine Rolle einnimmt. Dieses Rollenkonstrukt lässt sich wahrscheinlich auf den gesamten SocialMedia-Bereich übertragen, da jeder Mensch nicht seine eigentliche Persönlichkeit darstellt, sondern seine Rolle für die jeweiligen Kanäle anpasst, wodurch er weniger verletzlich und schambehaftet wird.